Spiel der Bewegungen

Seit langer Zeit ist bekannt (möglicherweise wußte man schon im Mittelalter oder sogar bereits bei den Babyloniern davon), daß die Bewegungen der Erde und der Venus in einem sehr ungewöhnlichen Verhältnis zueinander stehen. Es ist daher einigermaßen verwunderlich, daß man in fast keinem Astronomiebuch etwas über das Pentagramma veneris erfährt:

Schleifenfigur der Venus aus Sicht der Erde geozentrisch

In der nebenstehenden Abbildung ist die Bewegung der Erde aus Sicht der Venus über einen Zeitraum von fast exakt 16 Jahren (zwei Konjunktionsperioden) aufgetragen. Die Spur der Venus aus geozentrischer Warte zeichnet das gleiche, nur um 180° gedrehte Bild. Die im inneren und äußeren Bereich angedeuteten Fünfsterne (es sind jeweils zwei leicht gegeneinander versetzte Sternfiguren) markieren dabei die Positionen von Erde bzw. Venus bei den Konjunktions- und Oppositionsstellungen der beiden Planeten, d.h. wenn sie den kürzesten bzw. längsten Abstand voneinander haben (im Mittel alle 583,9 Tage, die genauen Zeitdauern schwanken aufgrund der Ellipsenform der Planetenbahnen etwas).

In jeweils 8 Jahren (exakt 5*583,92 = 2919,6 Tage = 7,993 Jahre) wird also im Zusammenwirken des Planeten, auf dem die Menschen beheimatet sind, und der himmlischen Liebesgöttin das Zeichen an den Himmel geschrieben, welches in früheren Zeiten oftmals symbolisch mit eben dem Menschen in Verbindung gebracht wurde. Dies geschieht nicht nur aus Sicht der Planeten, denn auch in heliozentrischer Darstellung (mit der Sonne im Mittelpunkt) ergeben sich ebenfalls Pentagramme, wenn man die aufeinander folgenden Konjunktions- oder Oppositionsstellungen in den Planetenbahnen verbindet.

Rechnerisch liegt den durchgezeichneten Linien der obigen Abbildung eine Schrittweite von 6,5 Tagen zugrunde. Dieses Intervall ist klein genug, um bei Verbindung der einzelnen Punkte einen kontinuierlichen, abgerundeten Linienzug zu ermöglichen. Trägt man im gleichen Zeitintervall die Verbindungslinien (Raumgeraden) zwischen den beiden Planeten auf, zeigt sich, daß – in etwas abgewandelter Form – auch die Schleifenfigur in heliozentrischer Sichtweise erscheint. Die verkleinerte Abbildung auf der rechten Seite demonstriert den Beginn der Figurenbildung, ausgehend von der Konjunktionsstellung am 30.03.2001. (Zur Verdeutlichung sind hier die Bahnen von Erde und Venus eingezeichnet, und die Schrittweite wurde etwas größer gewählt.)

Fünfzählige Figur Venus Erde heliozentrisch
Figur Venus Erde heliozentrisch in der Entwicklung

Diese Figur – man könnte von einer Sternblume sprechen – repräsentiert ein Gesamtbild des Energieflusses, physikalisch genauer: der gravitativen Wechselwirkungen, zwischen den beiden Planeten. Denn nicht nur die Sonne wirkt mit der Schwerkraft ihrer Masse, auch die Planeten ziehen sich gegenseitig an. Für die – durchaus nicht selbstverständliche und bis heute auch aus wissenschaftlicher Sicht ungeklärte, um nicht zu sagen geheimnisvolle – langfristige Stabilität des Sonnensystems spielen die Einflüsse zwischen den Planeten übrigens eine große Rolle. Dabei kommt insbesondere den Konjunktionsstellungen eine entscheidende Bedeutung zu, da die Gravitation zwischen zwei Planeten dann am stärksten ist. Weiterhin haben moderne astronomische Forschungen ergeben, daß sich resonante Zahlenverhältnisse kleiner ganzer Zahlen auf die Stabilität der Bahnen der Himmelskörper auswirken können (der Fünfstern der Erde-Venus-Beziehung ist z.B. ein Produkt einer solchen Resonanz, da ihre Umlaufzeiten fast exakt im Verhältnis 13:8 stehen).

Doch auch die Wechselwirkungen zwischen jeweils drei Planeten können entsprechende Auswirkungen nach sich ziehen. Mit den hier entwickelten graphischen Methoden lassen sich die gravitativen Einflüsse auf eine analoge Weise darstellen. Es werden dabei die aufeinander folgenden Raumgeraden zwischen zwei Planeten aufgetragen, wenn einer von ihnen eine Konjunktionsstellung mit dem dritten einnimmt. Zunächst werden die Raumgeraden Mars-Jupiter bei Mars-Uranus-Konjunktionen gezeigt (in einer Ausschnittvergrößerung 3:1):

Bewegungsbild Mars-Jupiter-Uranus, geordnet nach der Zahl 5, im Inneren Blütenförmig

Die Abbildung setzt sich aus 1.000 Linien, entsprechend 1.000 Konjunktionsstellungen in ca. 1.924 Jahren zusammen. Unschwer läßt sich erkennen, daß wiederum eine der vorigen Abbildung sehr ähnliche fünfzählige Sternblume erscheint. (Die Fünfzahl bzw. das Pentagramm taucht übrigens noch in einigen anderen Konfigurationen zwischen den durch ihre Bewegungen in Beziehung gesetzten Himmelskörpern auf.) Für die nächste Abbildung werden die beiden äußeren Planeten Jupiter und Uranus beibehalten. An die Stelle des Mars tritt nun der nächstinnere Planet, die Erde. Es werden also die Raumgeraden zwischen Erde und Jupiter bei Erde-Uranus-Konjunktionen dargestellt. Der entsprechende Zeitraum bei diesmal 750 Linien beträgt ca. 759 Jahre, die Ausschnittvergrößerung ist 10:6.

Bewegungsbild Erde-Jupiter-Uranus, nach der Zahl 10 geordnetEigenartigerweise zeichnen die Raumgeraden bei dieser Konstellation eine zehnsternartige Figur an das Firmament. Tritt nun die Venus an die Stelle der Erde, ergibt sich – wiederum in Verbindung mit Jupiter und Uranus – eine absolut präzise Sternfigur mit 20 Spitzen (Abbildung weiter unten). Diese Verdoppelung bzw. Vervierfachung der die Bildung der Figuren bestimmenden Zahlen ist, so kann man sagen, ein echtes Mysterium. Denn die “himmlische Mathematik”, die dem angesprochenen Zusammenhang der Formgestalten zugrunde liegt, läßt sich weder aus den Umlaufzeiten noch den Konjunktionsperioden der beteiligten Planeten ableiten (zumindestens ist uns kein Weg dazu bekannt). Eine geheimnisvolle Abgestimmtheit der Bewegungen der beiden äußeren Planeten Jupiter und Uranus mit dem inneren Planetensystem nach geometrisch-harmonischen Gesichtspunkten zeigt sich damit auf eine ganz überraschende Art und Weise.

Werden nun die anderen möglichen Konstellationen zwischen jeweils drei Planeten untersucht, zeigen sich weitere regelmäßige Figurenbildungen. Dabei treten alle Zahlen bis zur Zwölf auf und das seltsamerweise jeweils genau einmal (die überwiegende Anzahl der Möglichkeiten führt nicht zu regelmäßigen Formen oder zu solchen mit einer Vielzahl von Ecken). Zudem läßt sich in der Anordnung der entstehenden Figuren eine Strukturiertheit erkennen, die an die Architektur eines Bauwerks oder einer musikalischen Komposition erinnert. Am erstaunlichsten ist dabei vielleicht, daß die Symbolhaftigkeit, die einigen Sternfiguren von alters her zugeordnet worden ist, in einem neuen Licht am Himmel unseres Planetensystems erscheint. In gewisser Weise erzählen uns die verschiedenen geometrischen Figurenbildungen mit ihrer besonderen Zuordnung zu bestimmten Planeten sogar eine Art Geschichte.

Die Kapitel 10 und 12 der Signatur der Sphären enthalten die vollständige Darstellung dieser “Symphonie der Blumen und der Sterne”.


Raumgeraden Venus-Jupiter bei Venus/Uranus Konjunktionen, 1000 mal, Zeitraum 619,72 Jahre Maßstab in Millionen km